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heiliger Bernhard von Clairvaux

... der honigfliessende Lehrer

Bernhard wuchs unter der liebenden Obhut seiner Mutter auf und als junger Adeliger genoss er hervorragende Bildung. Als die Mutter starb, setzte er sich mit seinem Leben auseinander und es keimte in ihm die Sehnsucht nach einem verborgenen Leben mit Gott. Seine Begeisterung riss Freunde und Verwandte mit und er trat im April 1112 umgeben von einer Gruppe von 30 Männern in die gestrenge Abtei Cîteaux ein.

Bernhard war ein Mann der Innigkeit. Er rang um die Beziehung zu Gott und liess sich von ihm läutern. Seine glühende Liebe zu Gott machte ihn offen für die Mitmenschen und er wurde 1115 entsandt, damit er der neu gegründeten Abtei Clairvaux als Abt vorstehe. Seine Mitbrüder hatten es nicht leicht mit ihm: Als auf Bernhards Fürbitte die ersten Krankenheilungen geschahen, waren sie aufs Äusserste empört, liessen keines der Wunder gelten und beschimpften ihn verbissen. Doch Bernhard konnte nicht anders, als die Linderung der Not seiner Mitmenschen zu suchen. Als Vermittler in politischen und kirchlichen Belangen unternahm er zahlreiche Reisen, setzte sich in Streitigkeiten wegen Glaubensfragen ein, rief zum zweiten Kreuzzug auf, den er als Chance zur geistlichen Erneuerung sah.

Als 1145 sein Schüler zum Papst gewählt wurde, hatte Bernhard dar ob keine Freude. Er hielt Eugen III. für schwach und traute ihm nicht zu, dass er sich als Papst bewähren könnte. Aus eigener Erfahrung wusste er, dass der Mensch nur in der Rückbindung an Gott Halt in den Reibereien seiner Zeit finden kann. So widmete er Eugen den Traktat De consideratione, „Über die Besinnung“ und mahnte ihn: „Wenn Du Dich ganz der Aktion hingibst und Dich nie zurück ziehst: Soll ich das loben? Wenn Dich alle besitzen dürfen, dann sei auch Du unter diesen Besitzern. Halte Einkehr bei Dir selber. Ich sage nicht immer, ich sage nicht oft, aber zuweilen, gönne Dich Dir selber, mit den übrigen zusammen oder zumindest nach ihnen.“

Bernhards Art, sich von der Liebe Gottes treffen zu lassen und sich ihr hinzugeben, prägte entscheidend den damals jungen Zisterzienserorden. In der Architektur forderte Bernhard äusserste Schlichtheit, aber in seinem literarischen Schaffen wandte er eine malerische Sprache, die von Bildern nur so strotzt. Gewiss, Bernhard war ein zerrissener Mensch. Doch vielleicht kann er für uns gerade wegen seiner Zerrissenheit ein Verbündeter auf unserem Weg zu Gott sein, denn er war vor allem ein Liebender, ja ein hoffnungslos in Gott Verliebter. Als er 1153 starb, blieb sein Kommentar zum Hohelied unvollendet. Ein Aufruf an uns ihn durch unser Leben fortzuschreiben?